Arten der Lebensversicherung
Vier Varianten mit sehr unterschiedlichem Zweck — und sehr unterschiedlicher Bewertung.
| Art | Zweck | Bewertung |
|---|---|---|
| Kapitallebensversicherung | Sparen + Todesfallschutz | teuer, renditeschwach |
| Risikolebensversicherung | reiner Todesfallschutz | günstig, sinnvoll |
| Fondsgebundene LV | Sparen in Fonds + Schutz | Kosten beachten |
| Private Rentenversicherung | lebenslange Rente | für Verrentung |
Für reinen Hinterbliebenenschutz ist die Risikolebensversicherung erste Wahl; für Vermögensaufbau ein ETF-Sparplan. Die Kapital-LV vermischt beides — meist zum Nachteil. Quelle: Verbraucherzentrale; Stiftung Warentest.
Kapital-LV vs. Risikoleben + ETF
Gleicher Beitrag, zwei Wege — die Trennung gewinnt fast immer bei Schutz und Rendite.
Alles in einem
- + garantierte Mindestleistung
- + Sparen + Todesfallschutz kombiniert
- − hohe Abschluss-/Verwaltungskosten
- − niedrige Rendite (~1–2,5 %)
- − unflexibel, Verlust bei Kündigung
Fazit
Neuabschluss selten sinnvoll; Altverträge mit hohem Garantiezins behalten.
Getrennt
- + hoher Todesfallschutz für wenige Euro
- + ETF langfristig ~6–7 % vor Kosten
- + flexibel, jederzeit anpassbar
- + niedrige Kosten (ETF ab ~0,2 %/Jahr)
- − Kursrisiko, keine Garantie
Fazit
Für die meisten die bessere Wahl — mehr Schutz, mehr Rendite, mehr Flexibilität.
In sieben Schritten zur Entscheidung
Von der Zweckklärung bis zum Umgang mit bestehenden Policen.
Zweck klären
Geht es um Todesfallschutz, um Vermögensaufbau oder beides? Für reinen Schutz ist die Risikolebensversicherung erste Wahl.
Beitrag & Laufzeit festlegen
Monatsbeitrag und Laufzeit bestimmen die Ablaufleistung. Lange Laufzeiten nutzen den Zinseszins.
Kostenquote beachten
Abschluss- und Verwaltungskosten (10–20 %) schmälern den Sparanteil — der größte Renditekiller der Kapital-LV.
Mit ETF + Risikoleben vergleichen
Die Trennung von Schutz und Anlage ist meist günstiger und renditestärker — den ETF-Sparplan-Rechner gegenrechnen.
Altverträge prüfen
Hohe Garantiezinsen alter Policen behalten. Vor Kündigung Rückkaufswert, Garantiezins und Steuer prüfen.
Steuerfolgen einplanen
12/62-Regel beachten: Halbeinkünfteverfahren bei ≥ 12 Jahren und Auszahlung ab 62; Altverträge vor 2005 oft steuerfrei.
Bei Bedarf umschichten
Statt Kündigung lieber beitragsfrei stellen, am Zweitmarkt verkaufen oder beleihen — Kündigung ist meist ein Verlust.
Wer Hinterbliebene absichern will, fährt mit einer günstigen Risikolebensversicherung plus ETF-Sparplan meist besser als mit einer Kapital-LV. Eine Lebensversicherung im Vergleich zeigt passende Tarife — für reinen Schutz die Risikoleben, für die Verrentung die private Rentenversicherung. Je früher und gesünder der Abschluss, desto günstiger der Beitrag. Hinweis nach § 5a UWG: gekennzeichnete Werbe-Links — bei Vermittlung erhält RechnerCheck eine Provision, ohne dass dem Nutzer Mehrkosten entstehen.
Vier Konstellationen aus der Praxis
Ablaufleistung, Trennung von Risiko und Anlage, Rückkauf einer Altpolice und Besteuerung.
Konstellation A · Ablaufleistung
150 €/Monat, 25 Jahre, 3 %
45.000 € eingezahlt → rund 58.000 € Ablaufleistung
Sachverhalt. Ein Versicherter zahlt 150 € monatlich über 25 Jahre in eine Kapitallebensversicherung mit 3 % Gesamtverzinsung und 12 % Kostenquote.
Bewertung. Kosten schmälern den Sparanteil deutlich
Ergebnis. Eingezahlt werden 45.000 €. Nach Abzug der Kostenquote (12 %) fließen nur rund 132 € monatlich in den Sparanteil. Bei 3 % Verzinsung ergibt das eine Ablaufleistung von rund 58.000 € — eine effektive Rendite von etwa 1,9 % p. a. auf die eingezahlten Beiträge. Zum Vergleich: Ein ETF-Sparplan mit 6 % vor Kosten käme deutlich höher heraus. Die hohen Kosten und die niedrige Garantieverzinsung machen die klassische Kapital-LV unattraktiv.
Konstellation B · Trennung Risiko & Anlage
Risikoleben + ETF statt Kapital-LV
Gleicher Beitrag, mehr Schutz und mehr Rendite
Sachverhalt. Statt 150 € in eine Kapital-LV zu zahlen, splittet ein Sparer: 15 € in eine Risikolebensversicherung (hoher Todesfallschutz) und 135 € in einen ETF-Sparplan.
Bewertung. getrennt schlägt die Kombi-Police fast immer
Ergebnis. Die Risikolebensversicherung bietet für wenige Euro eine hohe Todesfallsumme — meist deutlich mehr Schutz als die Kapital-LV. Die 135 € im ETF-Sparplan erzielen langfristig im Schnitt 6–7 % (vor Kosten) statt ~2 % in der LV. Über 25 Jahre kann das Endkapital so leicht doppelt so hoch ausfallen. Verbraucherschützer empfehlen deshalb seit Jahren: Risikoschutz und Geldanlage trennen — flexibler, günstiger, renditestärker.
Konstellation C · Rückkauf einer Altpolice
kündigen, beitragsfrei stellen oder verkaufen
Alte LV mit hohem Garantiezins — nicht vorschnell kündigen
Sachverhalt. Ein Versicherter hat eine alte Kapital-LV aus den 2000er-Jahren mit hohem Garantiezins (z. B. 3,25–4 %) und überlegt, sie zu kündigen.
Bewertung. Altverträge mit hohem Garantiezins meist behalten
Ergebnis. Bei der Kündigung droht ein Rückkaufswert unter den eingezahlten Beiträgen, besonders in den ersten Jahren (Abschlusskosten). Alte Verträge mit hohem Garantiezins sind heute wertvoll — Behalten oder Beitragsfreistellung ist oft besser als Kündigen. Alternativen: beitragsfrei stellen (Schutz bleibt, keine neuen Beiträge), Verkauf am Zweitmarkt (oft mehr als der Rückkaufswert) oder Beleihung. Vor jeder Kündigung den Rückkaufswert und den Garantiezins prüfen.
Konstellation D · Besteuerung der Auszahlung
12/62-Regel · §20 EStG
Auszahlung nach 12 Jahren & ab 62 — halber Ertrag steuerfrei
Sachverhalt. Eine nach 2005 abgeschlossene Kapital-LV wird ausgezahlt. Der Vertrag lief mehr als 12 Jahre, die Auszahlung erfolgt nach dem 62. Lebensjahr.
Bewertung. Halbeinkünfteverfahren auf den Ertrag
Ergebnis. Bei Verträgen ab 2005 ist der Ertrag (Auszahlung minus eingezahlte Beiträge) steuerpflichtig. Erfüllt der Vertrag die 12/62-Regel (mindestens 12 Jahre Laufzeit, Auszahlung ab 62), wird nur die Hälfte des Ertrags mit dem persönlichen Steuersatz besteuert (Halbeinkünfteverfahren) — sonst voll mit Abgeltungsteuer. Verträge vor 2005 sind bei 12 Jahren Laufzeit meist ganz steuerfrei (Bestandsschutz). Die Besteuerung mindert die effektive Rendite zusätzlich.
Kündigen oder behalten?
Eine Kündigung ist oft ein Verlustgeschäft — meist gibt es bessere Alternativen.
Vier Optionen statt Kündigung
Was du mit einer bestehenden Police machen kannst.
Behalten: Vor allem Altverträge mit hohem Garantiezins (3,25–4 %) sind heute wertvoll — laufen lassen ist meist die beste Wahl.
Beitragsfrei stellen: Keine neuen Beiträge mehr, der Schutz und das angesparte Kapital bleiben (reduziert) erhalten. Gut bei Liquiditätsengpässen.
Am Zweitmarkt verkaufen: Spezialisierte Ankäufer zahlen oft mehr als den Rückkaufswert des Versicherers. Vor jeder Kündigung beide Angebote vergleichen.
Beleihen: Ein Policendarlehen verschafft Liquidität, ohne den Vertrag aufzugeben. Erst als letzte Option die Kündigung — sie bedeutet in den ersten Jahren fast immer einen Verlust gegenüber den eingezahlten Beiträgen.
Update-Log 2025 → 2026
Entwicklungen bei Garantiezins, Zweitmarkt und Besteuerung.
Garantiezins auf 1,0 % erhöht
Erstmals seit Jahren wurde der Höchstrechnungszins (Garantiezins) wieder angehoben — von 0,25 % auf 1,0 %. Für Neuverträge verbessert das die garantierte Verzinsung leicht, ändert aber wenig am grundsätzlichen Kosten- und Renditeproblem der Kapital-LV.
Verbraucherschützer raten zur Trennung
Die Empfehlung bleibt eindeutig: Risikoschutz (Risikolebensversicherung) und Geldanlage (ETF) trennen statt teurer Kombiprodukte. Neuabschlüsse klassischer Kapital-LV gehen stark zurück.
Zweitmarkt für Policen aktiv
Wer eine Police nicht mehr will, erhält am Zweitmarkt oft mehr als den Rückkaufswert des Versicherers. Vor einer Kündigung lohnt der Vergleich beider Optionen.
Steuerregeln unverändert
Die 12/62-Regel (Halbeinkünfteverfahren) und der Bestandsschutz für Verträge vor 2005 gelten weiter. Sie sind bei der Renditebetrachtung der Auszahlung zu berücksichtigen.
Häufige Fragen zur Lebensversicherung
9 Antworten zu Ablaufleistung, Rendite, Rückkauf und Steuer.
Was ist eine Kapitallebensversicherung?
Die Kapitallebensversicherung kombiniert einen Sparvorgang mit einem Todesfallschutz: Über die Laufzeit wird Kapital angespart und verzinst; stirbt die versicherte Person vorher, erhalten die Hinterbliebenen mindestens die vereinbarte Versicherungssumme. Am Ende wird die Ablaufleistung ausgezahlt. Wegen hoher Kosten und niedriger Garantieverzinsung gilt sie heute als renditeschwach — Neuabschlüsse sind selten sinnvoll.
Wie berechnet sich die Ablaufleistung?
Aus dem Sparanteil der Beiträge (Beitrag minus Kosten- und Risikoanteil) und dessen Verzinsung über die Laufzeit. Der Rechner zieht die Kostenquote vom Beitrag ab und verzinst den Sparanteil monatlich. Die Ablaufleistung setzt sich aus garantiertem Teil (Garantiezins) und nicht garantierter Überschussbeteiligung zusammen — letztere ist nur eine Prognose und kann niedriger ausfallen.
Warum ist die Rendite oft so niedrig?
Zwei Gründe: Erstens schmälern Abschluss- und Verwaltungskosten (oft 10–20 % der Beiträge, vor allem in den ersten Jahren) den Sparanteil erheblich. Zweitens ist der Garantiezins für Neuverträge niedrig (2025: 1,0 %, ab 2025 leicht erhöht); die Überschüsse sind nicht garantiert. Nach Kosten bleibt häufig nur 1–2,5 % effektive Rendite — deutlich weniger als ein breit gestreuter ETF langfristig erzielt.
Kapital-LV oder Risikoleben + ETF?
Für die meisten ist die Trennung besser: Eine günstige Risikolebensversicherung sichert den Todesfall (hoher Schutz für wenige Euro), ein ETF-Sparplan baut Vermögen auf (langfristig im Schnitt 6–7 % vor Kosten, flexibel). Diese Kombination bietet meist mehr Schutz und mehr Rendite als eine Kapital-LV, die beides teuer vermischt. Verbraucherzentralen empfehlen die Trennung seit Jahren.
Was ist der Rückkaufswert?
Der Rückkaufswert ist der Betrag, den man bei vorzeitiger Kündigung ausgezahlt bekommt — angespartes Kapital minus Kosten und Stornoabzug. In den ersten Jahren liegt er oft unter den eingezahlten Beiträgen, weil die Abschlusskosten vorab verrechnet werden. Eine Kündigung ist daher meist ein Verlustgeschäft. Alternativen: beitragsfrei stellen, am Zweitmarkt verkaufen (oft mehr als der Rückkaufswert) oder den Vertrag beleihen.
Soll ich eine alte Lebensversicherung kündigen?
Meist nein — besonders bei Altverträgen mit hohem Garantiezins (3,25–4 % aus den 1990er/2000er-Jahren), die heute kaum erreichbar sind. Solche Policen sind wertvoll und sollten behalten oder beitragsfrei gestellt werden. Vor einer Kündigung den Rückkaufswert, den Garantiezins und die Steuerfolgen prüfen. Wer Geld braucht, sollte Beitragsfreistellung, Beleihung oder Zweitmarktverkauf der Kündigung vorziehen.
Wie wird die Auszahlung besteuert?
Bei Verträgen ab 2005 ist der Ertrag (Auszahlung minus Beiträge) steuerpflichtig. Erfüllt der Vertrag die 12/62-Regel (≥ 12 Jahre Laufzeit, Auszahlung ab dem 62. Lebensjahr), wird nur der halbe Ertrag mit dem persönlichen Steuersatz besteuert (Halbeinkünfteverfahren). Sonst gilt die Abgeltungsteuer von 25 % auf den vollen Ertrag. Verträge vor 2005 sind bei ≥ 12 Jahren Laufzeit meist komplett steuerfrei (Bestandsschutz).
Was ist eine fondsgebundene Lebensversicherung?
Bei der fondsgebundenen LV wird der Sparanteil in Investmentfonds angelegt — die Ablaufleistung hängt von der Wertentwicklung ab (keine oder nur geringe Garantie). Chance auf höhere Rendite als die klassische Kapital-LV, aber mit Kursrisiko und oft hohen Kosten (Versicherungsmantel + Fondskosten). Ein direkter ETF-Sparplan ist meist günstiger; die fondsgebundene LV lohnt vor allem wegen steuerlicher Vorteile bei sehr langer Laufzeit.
Was ist der Garantiezins?
Der Garantiezins (Höchstrechnungszins) ist der gesetzlich begrenzte Zins, den der Versicherer auf den Sparanteil garantieren darf. Er sank von 4 % (bis 2000) über mehrere Stufen auf 0,25 % (2022–2024) und wurde zum 01.01.2025 wieder auf 1,0 % angehoben. Für die Gesamtverzinsung kommt die nicht garantierte Überschussbeteiligung hinzu. Alte Verträge mit hohem Garantiezins sind heute besonders wertvoll.
Ist dieser Rechner verbindlich?
Nein. Der Rechner projiziert die Ablaufleistung aus dem Sparanteil (Beitrag minus Kostenquote) bei konstanter Verzinsung — eine vereinfachte Modellrechnung. Reale Verträge haben individuelle Kostenstrukturen, garantierte und nicht garantierte Anteile sowie schwankende Überschüsse. Die Werte dienen der Orientierung und dem Vergleich (z. B. mit einem ETF-Sparplan) und ersetzen keine Versicherungs- oder Anlageberatung.
Schlüsselbegriffe der Lebensversicherung
- Ablaufleistung
- Auszahlung am Ende der Laufzeit — garantierter Teil plus nicht garantierte Überschussbeteiligung.
- Garantiezins
- Gesetzlich begrenzter Zins auf den Sparanteil. 2025 auf 1,0 % angehoben; Altverträge oft deutlich höher.
- Kostenquote
- Anteil der Beiträge für Abschluss- und Verwaltungskosten — schmälert den Sparanteil und die Rendite.
- Rückkaufswert
- Auszahlungsbetrag bei vorzeitiger Kündigung. In den ersten Jahren oft unter den eingezahlten Beiträgen.
- 12/62-Regel
- Bei ≥ 12 Jahren Laufzeit und Auszahlung ab 62 wird nur der halbe Ertrag mit dem persönlichen Steuersatz besteuert.
- Fondsgebundene LV
- Sparanteil wird in Fonds angelegt — höhere Renditechance, aber Kursrisiko und meist hohe Kosten.
Quellen und Paragraphen
Gesetzestexte und Verbraucherquellen, auf denen die Bewertung beruht.
- § 20 EStG · Kapitaleinkünfte / Lebensversicherung
gesetze-im-internet.de · Besteuerung der Erträge.
- § 150 ff VVG · Lebensversicherung
gesetze-im-internet.de · Vertragsrecht.
- § 169 VVG · Rückkaufswert
gesetze-im-internet.de · Anspruch bei Kündigung.
- BaFin · Lebensversicherung & Garantiezins
bafin.de · Höchstrechnungszins.
- Verbraucherzentrale · Lebensversicherung
verbraucherzentrale.de · Kündigen oder behalten.
- Stiftung Warentest · Altersvorsorge
test.de · LV vs. ETF.
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