„Was verdienst du?" – die Antwort lautet meist brutto. Auf dem Konto landet aber das Netto, und der Unterschied ist erheblich. Dieser Ratgeber erklärt, welche Abzüge es 2026 gibt und welche Stellschrauben dein Netto beeinflussen.
Die zwei Blöcke: Steuern und Sozialabgaben
Vom Bruttogehalt gehen zwei große Blöcke ab:
1. Steuern
- Lohnsteuer – die Vorauszahlung auf die Einkommensteuer, abhängig von Höhe und Steuerklasse.
- Solidaritätszuschlag – 5,5 % der Lohnsteuer, fällt aber erst oberhalb hoher Freigrenzen an (die meisten zahlen ihn nicht mehr).
- Kirchensteuer – 8 oder 9 % der Lohnsteuer, nur bei Kirchenmitgliedschaft.
2. Sozialabgaben (Arbeitnehmeranteil)
- Rentenversicherung – 9,3 %
- Arbeitslosenversicherung – 1,3 %
- Krankenversicherung – 7,3 % + halber Zusatzbeitrag der Kasse
- Pflegeversicherung – rund 1,8 % (Zuschlag für Kinderlose, Abschlag mit mehreren Kindern)
Die Sozialabgaben fallen nur bis zur jeweiligen Beitragsbemessungsgrenze an – wer mehr verdient, zahlt auf den übersteigenden Teil keine weiteren Beiträge.
Die wichtigste Stellschraube: die Steuerklasse
Die Steuerklasse bestimmt, wie viel Lohnsteuer monatlich einbehalten wird. Sie ändert nicht die Jahressteuerschuld, aber den monatlichen Liquiditätsfluss:
| Klasse | Für wen |
|---|---|
| I | Ledige, Geschiedene |
| II | Alleinerziehende (mit Entlastungsbetrag) |
| III / V | Verheiratete mit ungleichem Verdienst |
| IV / IV | Verheiratete mit ähnlichem Verdienst |
| VI | für den zweiten Job |
Verheiratete sollten die Kombination prüfen – die Wahl III/V oder IV/IV beeinflusst das monatliche Netto stark. Der Steuerklassenwechsel-Rechner hilft beim Vergleich.
Warum von der Gehaltserhöhung weniger ankommt
Deutschland hat einen progressiven Steuertarif: Jeder zusätzliche Euro wird mit deinem persönlichen Grenzsteuersatz besteuert, nicht mit dem Durchschnittssatz. Von 200 € mehr brutto bleiben deshalb häufig nur 100–120 € netto übrig. Das ist kein Fehler, sondern Systematik – aber gut zu wissen, bevor man über eine Erhöhung verhandelt.
So holst du mehr Netto heraus
- Freibeträge eintragen (z. B. Fahrtkosten, Werbungskosten) – mehr Netto schon im Monat.
- Steuerklassen-Kombination bei Ehepaaren optimieren.
- Steuerfreie Extras nutzen (z. B. Sachbezug, Jobticket, betriebliche Altersvorsorge).
- Einkommensteuererklärung abgeben – im Schnitt gibt es vierstellige Rückerstattungen.
Passende Rechner
- Brutto-Netto-Rechner – das komplette Netto
- Lohnsteuer-Rechner – nur die Steuer
- Steuerklassenwechsel-Rechner – III/V vs. IV/IV
- Gehaltserhöhung-Rechner – Netto-Plus
- Einkommensteuer-Rechner – Jahressicht